Altes Amt Kürten

Fassung vom 18.02. 2021

 

 

 

 

 

 

 

Aufnahme aus dem Jahr 1958

 

Hoch über dem alten Dorfkern von Kürten entstand an einer Weggabelung im Jahr 1893 das erste Rathaus von Kürten. Das Amt war für die Verwaltung der Gemeinden Kürten, Bechen und Wipperfeld zuständig. Mit der Gebietsreform von 1929 kam dann die Verwaltung der Gemeinde Olpe hinzu. Trotz des zentral zuständigen Bürgermeisters von Kürten blieben die ehrenamtlichen Ortsbürgermeister erhalten. Als die Verwaltungsaufgaben im Laufe der Jahre zunahmen, wurde ein neues Rathaus konzipiert. Im Jahr 1956 ist die gesamte Verwaltung in das neue Rathaus auf dem Markfeld (so die Flurbezeichnung) im Sülztal umgezogen.

Interessant ist, dass bis zum Jahr 1893 die Amtsgeschäfte im privaten Haus des jeweiligen Bürgermeisters geführt wurden. So verwundert es nicht, dass das erste Rathaus sowohl die Verwaltungsräume als auch die Dienstwohnung des Bürgermeisters, später des Amtsdirektors umfasste.

 

Foto aus den 1930er Jahren; Brautpaar auf der Treppe vor dem Standesamt im alten Rathaus.
 

Das alte Rathaus hatte einen schönen kleinen Saal, in dem die standesamtlichen Trauungen stattfanden. Manch Kürtener wird sich an die eigene Trauung im Standesamt erinnern und an Hochzeitsgesellschaften, die festlich gekleidet zu Fuß (beispielsweise von Bechen über Hommermühle) zum Standesamt kamen.

 

Nach dem Umzug der Verwaltung ins neue Rathaus im Sülztal ging das alte Rathaus in Privatbesitz über. In den 1960er Jahren wurde es von Familie Steinbacher als Ferienheim geführt, ab den 1970er Jahren bis 2007 als Altenheim mit dem Namen "Haus Bergeck". Der Name wurde durch die Lage des Hauses inspiriert: „am Hang und in der Ecke zwischen zwei Straßen“. Ab 2007 hatte es eine wechselnde Nutzung, bekannt ist die Zeit als Künstlerhaus. Seit 2010 lebt eine Seniorenwohngemeinschaft in dem Haus unter dem Namen "Altes Amt".

 

Einen besonderen Blick muss man noch auf die Straßenführung werfen. Auf dem Foto aus dem Jahr 1958 gehen zwei Straßen am alten Rathaus vorbei.

Die rechte Straße war die Hauptverbindung von Kürten nach Weiden zum alten Heerweg, der heutigen B 506. In Weiden steht dort an der Wipperfürther Str. die St. Anna Kapelle. Die Kapelle wurde 1507 gestiftet und war ein wichtiger Bezugspunkt für Kürten. Heute ist diese rechte Straße abgeschnitten und nur noch die Zufahrt zum Seniorenheim „Altes Amt“.

 

Die linke Straße führte direkt nach Hommermühle, vorbei „Am Lindchen“ einer 800-jährigen Kaukasischen Linde, die von weither zu sehen war (der heutige Straßenname "Am Lindchen" zeugt noch von dem imposanten Baum, der 1982 gefällt wurde). Weiter ging der Weg über Ossenbach nach Eisenkaul, Kotzberg zur Dhünn bei Königsspitze, über Doktorsdhünn nach Stumpf bis sie in den 1970er Jahren von der Dhünntalsperre unterbrochen wurde. Im 19./20. Jahrhundert war diese Chaussee, die um 1865 gebaut wurde, ein Teil der Verbindung von Bergisch Gladbach nach Stumpf und weiter nach Wermelskirchen und Remscheid.

 

Heute führt links des alten Rathauses die Bergstraße entlang, und trifft nach einem kleinen Bogen über den Kreisel auf den ursprünglichen Hauptweg zwischen Kürten und Weiden. Die Straße nach Hommermühle zweigt jetzt am Beginn des Neubaugebietes ab, wo die alte Linde stand, die das Wegekreuz aus Hommermühle weit überragte.

Quellen:

 

Büchel, Josef / Peter Gronewald: „Bilder aus alter Zeit“ 1984

 

Steinbacher, Helmut: „Haus Bergeck- die Geschichte eines Altenheimes“, Kürtener Schriften, Heft 8, November 2011, Herausgeber: Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e.V.,

 

Büchel, Josef „Die Anna-Kapelle in Weiden“ Kürtener Schriften, Heft 8, November 2011, Herausgeber: Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e.V.,

 

Ströbel-Dettmer, Ute: „25 Jahre Kürten nach Inkrafttreten der kommunalen Neugliederung

1975 – 2000“, Kürtener Schriften, Heft 3, November 2001, Herausgeber: Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e.V.,

 

Rutt, Theodor: Heimatchronik des Rheinisch-Bergischen Kreises (1964)

Topographische Karte 1896 und 1979

 

Haus Bergeck ist als kulturhistorisch bedeutsames Bauwerk in der Gemeinde Kürten verzeichnet In: Kulturhistorische Zeugnisse in der

Gemeinde Kürten – Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e.V. (2009)

 

 

Verfasst von Ute Jülich 

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