Bechener Esel

Den Namen „Esel“, oder wie es im Bergischen Platt heißt, „Ässel“ haben die Bechener wohl ihrer Sturheit gegenüber den Lehnsherren vom Kloster Altenberg zu verdanken, denen sie abgabepflichtig waren.

 

Eine andere Version der Namensgebung ist amüsanter und wird gerne von den Karnevalsfreunden Bechen kolportiert:

Vor langer Zeit zogen die Bechener Bauern mit ihren Eseln zum Markt nach Mülheim am Rhein, um dort ihre Waren zu verkaufen. Obwohl sie wegen der Entfernung schon nachts loszogen, kamen sie wegen der Störrigkeit der Grautiere des Öfteren zu spät. Weil sie die nicht verkauften Waren aber nicht mit zurück nach Bechen nehmen wollten, verkauften sie diese Waren dann unter Preis. Deswegen ging auf dem Markt der Satz um:

Loss mer noch jett waade mem koofen, de Bechener Ässel sin noch nit do!“

 

Das war den anderen Marktbauern natürlich nicht recht, es kam leicht zu Streit und Händel mit den „Bechener Ässeln“.

 

Von alters her haben viele Orte im Bergischen Spott- und Beinamen wie Bechener Ässel, Düscheder Mellsäck, Kürtener Lüüs, Herkeroder decke Bunnen u.v.m... Man pflegte den Lokalpatriotismus und verteidigte sein Dorf gegen Sticheleien und Gespött, so auch in Bechen. Noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts galt es für Besucher aus anderen Dörfern als Mutprobe, auf dem Tanzboden 3-mal laut vernehmlich „IA“ zu rufen. Schon war eine wüste Rauferei im Gange, bei dem es Verletzte gab und nicht selten Mobiliar zu Bruch ging.

 

Heutzutage geht es gesitteter zu. Die Tradition des bergischen Dialekts und der dörflichen Beinamen wird heute vielerorts von den Karnevalsvereinen gepflegt.

 

Die Karnevalsfreunde Bechen (KFB) führen den Esel im Wappen, jeder Karnevalsorden hat einen Esel im Motiv und im Bechener Weiberfastnachtszug 1959 wurde bereits ein Esel mitgeführt. Einen erheblichen Bekanntheitsgrad erfuhr der Bechener Esel durch die Übertragung des Weiberfastnachtszuges 1960 im Fernsehen, angeführt vom Mottowagen „De Ässele kummen“. Das Wappentier hatte sich etabliert; kein Karnevalsorden, in dem er nicht dargestellt wurde, kein Bühnenbild, Plakat, Eintrittskarte, Festheft oder Sitzungsdekoration ohne ihn. 1981 zierte ein lebensgroßer Gips Esel den Prinzenwagen im Weiberfastnachtszug. Beim Frühschoppen am nächsten Tag beschloss der Vorstand, den Esel als Denkmal auf dem Parkplatz in der Dorfmitte aufzustellen; 3 Tage später an Rosenmontag wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Die Resonanz bei den Bechenern war überwältigend positiv. Aber nach fast 3 Jahren in „freier Natur“ war der Gipsesel leider zerfallen. Der damalige Pfarrer Lampenscherf bot anlässlich der Proklamation 1983 an, 1000.-DM zu spenden, wenn die KFB einen neuen, wetterfesten Esel aufstellen würden. Bürgermeister Josten schloss sich mit 500.-DM an. Das Projekt wurde gestartet, man entschied sich für einen lebensgroßen Esel aus Bronze der Künstlerin Heide Dobberkau für den damals stolzen Preis von 25.000.-DM. Die KFB startete eine Sammelaktion in Bechen, steuerte selbst 5000.-DM bei. Der Esel war finanziert und bereits am 20. August 1983 wurde er, erhöht auf einem Podest aus Lindlarer Grauwacke, auf dem Dorfplatz aufgestellt und eingeweiht.

 

Man trifft sich „am Esel“, er ist Anlaufpunkt für Jung und Alt, Wanderer, Biker, Motorradfahrer, Ortsvereine, Kegelklubs und dient obendrein als beliebtes Fotomotiv.

 

Das Wahrzeichen des Dorfes ist mittlerweile weit über die Grenzen bekannt und nicht mehr aus unserer Mitte wegzudenken.

 

Quellen:

Josef Büchel, (Redaktion): 800 Jahre Bechen, Festschrift 800 Jahre Bechen, 1975,

Bernd Weber: Wo haben Spott- und Beinamen der Dörfer im Bergischen Land ihren Ursprung her?, Kürtener Schriften, Heft 7, Geschichtsverein Kürten und Umgebung, 2009

Bechener Eselspfad, IG Bechen, 2010,

Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e. V.: Von Wegekreuzen, Mühlen und Dolinen,- Kulturhistorische Zeugnisse in der Gemeinde Kürten - 2009

Lebensgroßer Esel aus Gips, Aufnahme aus 1981

 

 

 

Fassung: 2021.02.15

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