Erlebnisbericht: Schloss Georghausen und seine Mühle im Ort Georghausen zu Lindlar


Boris Jülich




Hinter dicken Mauern und alten Kastanien –

zu Gast auf Schloss Georghausen


Am 14. August 2026 führte die achte Veranstaltung des Geschichtsvereins Kürten an einen Ort, an dem sich bergische Geschichte auf außergewöhnlich anschauliche Weise erleben lässt: Schloss Georghausen und seine historische Mühle.


Schon die Anreise entwickelte sich angesichts der sommerlichen Hitze, einer Hochzeitsgesellschaft und einer Umleitung in Richtung der Veranstaltung zu einer kleinen Herausforderung. Doch pünktlich um 15 Uhr hatte sich die Gruppe am Schloss eingefunden. Dort wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Silvia und Dietmar von Landsberg herzlich begrüßt. Die beiden erwiesen sich als ebenso kenntnisreiche wie unterhaltsame Gastgeber und ermöglichten Einblicke, die Besucherinnen und Besuchern normalerweise verborgen bleiben.



Eine Mühle, die so wertvoll war wie eine Gelddruckmaschine


Die Geschichte Georghausens reicht weit zurück. Als erster namentlich bekannter Besitzer gilt vermutlich Ritter Wilhelm von Quadt, dem der Graf von Berg im Jahr 1380 die Fischereirechte an der Sülz verlieh. Im Jahr 1449 wurden Hofgut, Mühle und Fischereirechte an den bergischen Kanzler Dietrich von Lüning und seine Frau Adelheid von Lingenhausen verkauft.


Bereits um 1450 entstand hier ein befestigtes Haus, das 1466 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Dass eine solche Anlage ausgerechnet an dieser Stelle errichtet wurde, hatte vor allem wirtschaftliche Gründe: Sie sollte die Mühle schützen. Aufgrund des mittelalterlichen Mühlenzwangs mussten die Bauern der Umgebung ihr Korn in der vorgeschriebenen Mühle mahlen lassen. Eine eigene Mühle zu besitzen, so Dietmar von Landsberg sehr anschaulich, sei daher beinahe wie eine „Genehmigung zum Gelddrucken“ gewesen.


Aus dem befestigten Haus mit Kapelle, Wassergräben und Zugbrücke entwickelte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts das heutige barocke Wasserschloss. Danach wechselten die Besitzer mehrfach. Eine besondere Episode war die Zeit von 1779 bis 1789, als Georghausen den Zisterziensern des Klosters Düsseltal gehörte. Deren sorgfältig geführte Aufzeichnungen berichten selbst über Reisekosten, Kleidungsstücke und kleinere Ausgaben – ein faszinierender Einblick in die Verwaltung vergangener Jahrhunderte.


Seit 1820 befindet sich Georghausen im Besitz derselben Familie: zunächst der Familie von Fürstenberg und, durch die Heirat Maria Adelheids von Fürstenberg mit Emanuel von Landsberg-Velen im Jahr 1904, schließlich der Familie von Landsberg.



Vom Adelssitz zum Schlosshotel


Emanuel von Landsberg-Velen prägte Georghausen nachhaltig. Er ließ nicht nur das Gebäude umfassend renovieren, sondern modernisierte auch die Energieversorgung. Mithilfe einer Francis-Turbine wurde durch Wasserkraft elektrischer Strom erzeugt – und in Georghausen ging buchstäblich das Licht an. Zudem gehörte er zu den Mitbegründern der Elektrizitätsgenossenschaft Hochkeppel und engagierte sich bis 1933 politisch im Kreistag.


Nach dem Ersten Weltkrieg veränderte sich das Leben auf dem Schloss grundlegend. Die wirtschaftliche Lage war schwierig, die Zahl der Bediensteten ging zurück und bereits in den 1920er-Jahren wurde im Haus eine Pension eingerichtet. Begünstigt wurde dies durch die Eisenbahnverbindung von Köln ins Bergische Land. Georghausen entwickelte sich zu einem beliebten Ziel für die sogenannte Sommerfrische, besonders für Künstler, Intellektuelle und wohlhabende Gäste aus Köln.


Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schloss ohne größere Bombenschäden. Zeitweise waren jedoch rund 50 aus Köln evakuierte Menschen darin untergebracht. In den umliegenden Wäldern finden sich bis heute Spuren des Krieges.


Am Silvesterabend 1950 eröffneten die Schwiegereltern der heutigen Eigentümer das Schlosshotel Georghausen. In den 1950er- und 1960er-Jahren genoss es weit über die Region hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Zu seinen Gästen gehörten bekannte Persönlichkeiten wie Romy Schneider und Werner Höfer. Auch die eine oder andere heitere Geschichte ist aus dieser Zeit überliefert: So sollen nach besonders ausgiebigen Abenden gelegentlich Automobile im Straßengraben gelandet sein, worauf die umliegenden Bauern offenbar schon beinahe routiniert bei der Bergung halfen.


1962 wurde der Golfclub gegründet, dessen Clubhaus sich zunächst in einem Seitenflügel des Schlosses befand. Bis heute trägt die Zusammenarbeit zwischen Familie und Golfclub entscheidend dazu bei, das historische Anwesen zu erhalten.



Kostbare Fenster und ein Bett mit zweitem Leben


Beim Rundgang durch die Innenräume wurde Geschichte unmittelbar sichtbar. Im Weißen Salon begegneten die Gäste historischen Familienporträts, offenen Kaminen und einer aufwendig gestalteten Kölner Decke aus der Zeit des barocken Umbaus.


Unter den zahlreichen Ahnenbildern fällt ein Gemälde besonders auf: Es zeigt Maria Adelheid mit ihren beiden ältesten Kindern nicht in steifer Repräsentation, sondern als innige, lebendige Familienszene. Die übrigen Porträts erfüllten einst eine ähnliche Funktion wie heutige Familienalben. Verließ ein Kind das Elternhaus, erhielt es Kopien der wichtigsten Ahnenbilder mit auf den Weg.


Eine echte Rarität sind die erhaltenen barocken Fenster. Sie müssen nach strengen denkmalpflegerischen Regeln behandelt werden. Selbst bei der Reinigung gilt: klares Wasser – kein Spülmittel und kein Glasreiniger. Einmal im Jahr überprüft ein spezialisierter Restaurator ihren Zustand.


Für Schmunzeln sorgte die Geschichte des gewaltigen Himmelbetts von Emanuel von Landsberg-Velen. Während der Zeit des Schlosshotels wurde es kurzerhand zu einer Bar umgebaut. Das ungewöhnliche Möbelstück existiert noch heute, sicher verpackt und vielleicht mit Aussicht auf ein künftiges Leben als Museumsstück.



Durch die Kastanienallee zur historischen Mühle


Nach dem Rundgang führte der Weg durch die alte Kastanienallee, vorbei an einer Nepomukfigur, hinunter zur Mühle. Frau van der Holz öffnete eigens für die Gruppe das historische Gebäude. Darin hat sich eine technische Anlage erhalten, wie sie im Bergischen Land nur noch selten zu finden ist.


Besonders eindrucksvoll war der Blick auf das alte Mahlwerk und die mächtigen Mühlsteine, die einst aus der Eifel herangeschafft wurden. Zwei unterschlächtige Wasserräder trieben die Mühle an: Das Wasser strömte unter den Rädern hindurch und setzte sie in Bewegung. Der bereits im Mittelalter angelegte Mühlengraben leitete das Wasser mit genau berechnetem Gefälle zur Anlage. Wie viel Kraft sich auf diese Weise aus einem vergleichsweise kleinen Wasserlauf gewinnen ließ, beeindruckte auch heutige Technikverständige.


Bei einer Sanierung im Jahr 1985 wurde in der Mühle zudem ein Balken identifiziert, der vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt. Daraufhin stellte man die ursprüngliche Geschossaufteilung wieder her. Früher lebten die Bewohner im oberen Teil des Hauses und zogen am Abend die Leiter hinauf – ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Mittel gegen unerwünschte Besucher.


Im Schatten der Mühle endete schließlich eine Führung, die weit länger als die angekündigte Stunde hätte dauern dürfen. Elisabeth Coester dankte Silvia und Dietmar von Landsberg sowie Frau van der Holz herzlich dafür, dass sie dem Geschichtsverein nicht nur ihre Türen geöffnet, sondern die Vergangenheit Georghausens mit vielen persönlichen Geschichten, fundiertem Wissen und einer guten Portion Humor lebendig gemacht hatten.


Viele von uns sind schon oft an Georghausen vorbeigefahren. Seit diesem Nachmittag jedoch verbinden wir mit dem Schloss nicht mehr nur eine schöne historische Fassade, sondern Menschen, Schicksale und Geschichten aus mehr als sechs Jahrhunderten.


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