Alte Schule Kürten

 

Die bäuerliche Bevölkerung erhielt bis in die Neuzeit keine Schulbildung. Erst im 17./18. Jahrhundert entstanden auf dem Lande die ersten sog. Vikariatsschulen oder Küsterschulen. Sie wurden von der Kirche eingerichtet und standen unter Aufsicht des Pfarrers. Für den Unterricht war der Küster zuständig, der den Kindern lesen, schreiben und einfaches Rechnen beibringen sollte. Wichtig waren das Singen von Kirchenliedern und das Auswendiglernen des Katechismus. Der Erfolg hing stark von der Person des Küsters und seinen Fähigkeiten auf den erwähnten Gebieten ab.

 

Zuerst fand der Unterricht in der Wohnung des Küsters statt. Mitte des 18. Jh. entstanden eigene Schulgebäude, Fachwerkhäuser mit kleinen, dunklen Räumen. Es wurden etwa 80 Schüler zwischen 6 bis 14 Jahren in einem Raum unterrichtet. Im Sommer fehlten viele Schüler, weil sie für die Feldarbeit gebraucht wurden. So gab es wenig Kontinuität beim Lernen. Das erste Schulhaus entstand in Kürten um 1750 und war ein Fachwerkbau mit Garten und Wiese.

 

1811 wurde unter Napoleon die Trennung der Aufgaben von Kirche und Staat für die allgemeine Bildung beschlossen. Es entstand die sog. Volksschule. Als die gesetzliche Schulpflicht 1825 in den Rheinlanden eingeführt wurde, änderte sich zunächst nicht viel. Es gab sogar öffentliche Proteste gegen einen verpflichtenden Schulunterricht.

 

Erst mit dem Bau von größeren Schulgebäuden aus Backstein und Lehrern, die auf einem Seminar ausgebildet waren, entstand Mitte des 19. Jh. ein geregelter Schulbetrieb.

 

Das neue Schulhaus von 1869 wurde quer an das alte Fachwerkhaus angebaut und schaute mit breiter Front nach Süden. Es war zweigeschossig, mit mehreren Schulräumen und großen Fenstern zur Straße hin. Es wurde über hundert Jahre für viele Kürtener „ihre“ Schule, in der sie acht Jahre lang „fürs Leben“ lernen konnten. Die Lehrer wohnten in der alten Schule aus Fachwerk. Sie wurde später verschiefert.

 

Luftaufnahme von der alten Schule und der Lehrerwohnung in den 1930ern

 

Ein besonderes Ereignis war die Verabschiedung von Hauptlehrer Hermann Horst, der 45 Jahre an der Schule unterrichtet hatte. Er begann 1883 in der Kaiserzeit, begleitete seine Schüler durch die Jahre des 1. Weltkrieges und beendete seine Schullaufbahn 1928 in der Weimarer Republik. Auf dem Abschiedsfoto 1928 ist seine damalige Klasse mit Kindern aus Weiden, Busch, Hutsherweg, Meiswinkel, Siebelsmühle und Eulen zu sehen. Links Hauptlehrer Hermann Horst, rechts Lehrerin Fräulein Kemmerich und Lehrer Hüsch.

 

Das Foto entstand auf dem Hof vor dem Fachwerkhaus (der ersten Schule). Die Kinder waren alle katholisch und lernten in gemischten Klassen vom 1. – 4. Schuljahr. Die älteren Schüler wurden meist vom Hauptlehrer unterrichtet. Er erfüllte die Aufgaben des späteren Rektors.

 

Man schrieb in der ersten Klasse mit Griffel auf der Schiefertafel, später mit dem Federhalter. Für die Tinte musste der Lehrer sorgen.

 

Aus dieser Zeit stammt die Redewendung „Nimm deine sieben Sachen“ (nämlich Schulranzen, Schiefertafel mit Schwamm, Griffel und Griffelkasten, Läppchen und Fibel).

 

Man lernte lesen, schreiben und Schönschrift, rechnen, Raumlehre, Geographie und vaterländische Geschichte. Für die Anschauung der Natur und Heimat gab es Wandtafeln, die Jungen hatten Turnen, die Mädchen Handarbeit. Beim Singen von Liedern begleitete der Lehrer auf der Geige oder dem Klavier. Die Schüler, die gut lernen konnten, gingen weiter auf die Handelsschule oder das Progymnasium.

 

 

Die Situation der Schule änderte sich nach dem 2. Weltkrieg, als aus den Ostgebieten zahlreiche evangelische Kinder in Kürten zuzogen. Die alte Schule aus Fachwerk wurde 1950 abgerissen und an ihre Stelle ein modernes Lehrerhaus gebaut. Im Bereich der dahinter liegenden Wiese entstand ein neues Schulgebäude im modernen Pavillonstil. Das alte Schulgebäude an der Straße überließ man der „Evangelischen Schule “ mit rein evangelischen Klassen und Lehrern.

 

Mit der Schulreform 1968 wurde die Volksschule aufgehoben und ging in die Grundschule von der 1. – 4. Klasse und die Hauptschule vom 5. bis 9. Schuljahr über.

 

Als 1972/73 das Baugebiet auf dem Markfeld im Sülztal ausgewiesen wurde, entstand zunächst die Grundschule als Gemeinschaftsschule mit Jahrgangsklassen ohne Trennung nach Konfessionen. Sie hatte ein eigenes Hallenbad und einen Schulgarten. Herr Voelkel war der erste Leiter der Grundschule, die den Namen Tillmann – Röhrig – Schule bekam. Etwas später entstand die Hauptschule. Unter ihrer ersten Leiterin Frau Gierlich erhielt sie den Namen Hubert – Berger – Hauptschule.

 

Das alte Backsteingebäude an der Bergstraße Nr.16 zeigte Anfang der 1970er Jahre Risse. Nach der Renovierung zog das Deutsche Rote Kreuz und die Kleiderkammer ein.

 

Der Schulneubau aus den 1950ger Jahren wurde 1975 für den Kath. Kindergarten St. Johann Baptist umgebaut mit großem Außengelände und Spielwiese. Im Eingangsbereich im Innenhof wurde eine Kastanie gepflanzt mit einer Sitzbank. Heute ist der Kindergarten zur Kindertagesstätte erweitert worden.

 

Literatur:

Opladen: Das Dekanat Wipperfürth (1956)

Cüppers/Michel Tornister, Tafel, Tintenfaß - eine bergische Schulgeschichte (1995)

Internet die Geschichte des Schulwesens in Deutschland

RBK 1968 W. Cürten aus der Geschichte des Schulwesens im Bergischen

RBK 1969 Die Schulreform von 1968

RBK 1980 Das Schulmuseum Katterbach (Schmidt-Goerz)

Kürtener Schriften 2020 „Hubert Berger – ein Vorbild aus Kürten“

 

Die Literatur ist im Ortsarchiv des Kürtener Geschichtsverein einsehbar

 

Verfasst von Ute Jülich

 

Januar 2022

 

Bis 1920 wurde die Deutsche Kurrentschrift gelehrt, die sich von der nachfolgenden Sütterlin Schrift durch ihre Schrägstellung unterscheidet.

 

 

Holzstich von 1890 : Titel „wohlverdient“.

 

An den Ohren ziehen, eine leicht Strafe für Jungen.

 

Auf farbigen großen Wandbildern wurde der Alltag der Kinder dargestellt.

 

 

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