Eisengrube Katarinenglück Dürscheid 

ursprünglich verliehen als "Anna Fundgrube"

 

Auf dem Gelände der ehemaligen Grube sind noch alle wesentlichen Relikte des alten Bergbaus erhalten. Vom Standort der Stele (roter Punkt) schaut man hinter dem Wohnhaus auf einen Teich. Er befindet sich im Rest der Tagebaumulde, die sich Ende der 1930er Jahre mit Wasser gefüllt hat. Hier ist auch das Einstiegloch des Abfuhrstollen und des Schachtes (blauer Punkt). Es liegt unterhalb des Wasserspiegels am Fuße einer alten Eiche. Am Fußweg Richtung Dürscheid/Steeg befinden sich zwei Abraumhalden: die nördliche ist mit einem Wäldchen bewachsen (1 grauer Punkt), die südliche flachere mit Sträuchern (2 graue Punkte). 

 

Luftbild Google Earth

 

Auf der Topographische Karte von 1927 ist dieTagebaugrube als Halbkreis eingezeichnet. Die ovalen Kreise sind die Abraumhalden. (Die nördlichste Halde wurde in den 1970ern eingeebnet)

 

1911 wurde die Bergbautätigkeit eingestellt. Familie Röhrig kaufte das Bergbaugelände in den 1950er Jahren, ebnete die Hügel des Tagebaus teilweise ein und errichtete auf einem aufgeschütteten Teil ein Wohnhaus (Lenzholzer Str.39) und einen kleinen Stall. Der alte Weg zwischen den Halden ist als Wanderweg nach Miebach und Steeg erhalten.

 

 

Geschichte der Grube "Katharinaglück"

Sie ist die älteste Eisenerzgrube des Bensberger Erzreviers.

 

Aus einer Urkunde vom 8. Januar 1752 geht hervor, dass ein Herr Peter Moll aus Lennep ein Schürfrecht (Mutung) „zwischen dem Höffgen Miebach und den Höffgen Lentzholtz“ im Kirchspiel Kürten beantragt hat. Es dauerte allerdings noch neun Jahre, bis die Bergbeamten aus Düsseldorf die Grube besichtigten und anschließend die Belehnung am 16. Dezember 1761 aussprachen. Daraus ergab sich: „...in einem Geviertfeld um einen im Mittelpunkt vorhandenen Schacht herum ein Recht zur Gewinnung von Eisenstein und sonstigen Mineralien, ausgenommen Gold und Edelgestein“. (1)

 

Das Feld erhielt die Bezeichnung „Anna Fundgrube“. Später tauchen die Namen „St.Katharina“ oder „Catharinenglück“ auf und nach der Vereinigung (Konsolidierung) mit der Grube Luther in Spitze wird sie unter dem gemeinsamen Namen „Cons.Grube Luther“ geführt, erhält aber eine Sonderstellung als Betriebspunkt mit dem Namen „Katharinaglück“.

 

Auf der Müfflingkarte von 1824 heißt sie „Eisengrube zur Katharina“ und das Zechenhaus im Tal „St. Katharinen“. Der Abfuhrstollen ist an den Luftschächten zwischen Eisengrube und Zechenhaus zu erkennen. (grüne Linie). Im Tal fließt der Miebach, die Straße nach Dürscheid läuft parallel.

 

Genauere Angaben über die erste Bergbautätigkeit gibt es nicht. Man kann aber annehmen, dass der Abbau ab 1770 erfolgte, dem Zeitpunkt an dem die Eisenschmelze im Dürschtal. (Dürscheider Hütte) ihren Betrieb aufnahm (mit Holzkohle). Vermutlich hat man zunächst das oberflächennahe Erzlager im Tagebau abgebaut und ist dann erst über den vorhandenen Schacht verstärkt in die Tiefe gegangen. Als man feststellte, dass die fündigsten Erzschichten in einer Tiefe lagen (um die 40 m), die den Abtransport über einen Stollen von der Talsohle her ermöglichte, hat man diesen Stollen aufgefahren. Über ihn konnte auch die Entwässerung der Grube problemlos erfolgen“. (K. Förster)

 

Um 1860 fand man im Gebiet zwischen Spitze – Dürscheid – Blissenbach ergiebige, größere Eisenerzvorkommen. Nachdem man den Waldboden und die darunter liegenden tertiären Sande abgetragen hatte (3), wurde auch hier der Brauneisenstein zunächst im Tagebau abgebaut. Später teufte man eine 40 m und eine 60 m Sohle ab. Das geförderte Eisenerz kam wie das aus der Grube bei Miebach zur Dürscheider Hütte. Nach der Stilllegung der Eisenhütte 1859 musste das Roherz auf Pferdefuhrwerken bis zum Rhein gefahren werden, wo es per Schiff zur Friedrich-Wilhelms-Hütte nach Mühlheim/Ruhr gelangte, die das Roheisen in einem modernen Hochofen erschmolz. Nach dem Bau der Gladbacher Eisenbahn Ende der 1860er Jahre konnte das Eisenerz vom alten Bahnhof in Bergisch Gladbach direkt nach Mülheim transportiert werden. „Die Pferdehalter machten bei diesen Transporten gute Geschäfte. Wurde doch der Zentner Eisenerz von Spitze bis Gladbach mit 9 Pfennigen bezahlt und die Fuhrwerke konnten die Strecke mehrmals am Tage bewältigen“. (4) 

 

Die Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mühlheim an der Ruhr war 1849 der erste Hochofen im Ruhrgebiet, der mit Steinkohle (Koks) betrieben wurde. 1852 wandelte sich die Hütte in die „Bergwerks AG Friedrich Wilhelms-Hütte“ um und wurde Eigentümerin der Grube Luther, die „gutes und billiges Material“ lieferte, mit einem Eisengehalt von 40 % mit 1-2 % Mangananteil. Zeitweise war die „Grube Luther“ die „Hauptgrube“, die den großen Eisenbedarf der neuen Hochofenanlage sicherte. (Die Hütte besteht noch heute als Teil der Thyssengruppe und stellt u. a. Eisen für Windradrotoren her). 

 

Obwohl die Fördermengen schwankten, hatte man um 1900 große Pläne. „Auf dem Betriebspunkt Katharinaglück teufte man ein Schächtchen 12 m zu Versuchszwecken ab und begann, den alten Förderstollen zunächst auf einer Strecke von 197 m unter großen Schwierigkeiten wieder aufzuwältigen und die alten Holzschienen durch Eisenschienen zu ersetzen. Bis 1908 waren diese Arbeiten auf einer Gesamtlänge von 530 m bis zum Zechenhaus in Steeg fertiggestellt. Jetzt beabsichtigte man, die oberflächennah in großen Mengen vorkommenden verunreinigten Erze zu gewinnen und für die Verhüttung zu reinigen. Aus diesem Grund plante man 1907 den Bau einer Aufbereitungsanlage in Spitze. Für den Transport der Wascherze von Katharinaglück nach Spitze sollte eine ca. 2,5 km lange Schmalspurbahn mit Lokomotivantrieb gebaut werden. Da trotz aller Bemühungen der Betrieb nicht rentabel war, wurde der Bergbau911 1 eingestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg hat man erneut versucht, auf den Betriebspunkten in Spitze und Miebach fündig zu werden. So wird 1923 und 1924 von Untersuchungs- und Aufräumungsarbeiten berichtet. Auch die Autarkiebestrebungen in der NS-Zeit führten 1937 zu erneuten Untersuchungsarbeiten. Man musste aber jedes Mal feststellen, dass sich der Bergbau nicht mehr lohnte. (1)

 

Das Zechenhaus Katharinaglück

 

Katharinaglück ist seit Ende des 19. Jh. die Bezeichnung eines Wohnplatzes. Er liegt zwischen den Ortsteilen Steeg und Miebach. Das alte Zechenhaus der Grube steht direkt an der Wipperfürther Straße Nr.169. Etwa 50 Meter Richtung Norden liegt eine langgestreckte Halde, in deren Nähe sich das Mundloch des Förderstollen befindet. Die Halde wurde in den 1950er Jahren bebaut.

 

Auf der Topographischen Karte 1980 sieht man, dass sich das Neubaugebiet der Gerhard-Hauptmann-Siedlung in Miebach zwischen der Grube und dem Zechenhaus befindet.

 

Peter Höller aus Miebach erzählt in seinen „Jugenderinnerungen aus den Jahren vor 1933“: Das Häuschen Katharinaglück lag an der Landstraße von Miebach nach Dürscheid. Hier wohnte früher der Steiger der Brauneisengrube. Der Stollen ging ostwärts bis an Familie „Miebachs Hüuschen“, das nordöstlichst gelegene Haus von Obermiebach. Dort wurde Eisenerz gegraben und durch den Stollen auf dem Schienenweg nach Katharinaglück zur Landstraße befördert.

 

Der Tagebaustollen ging von Katharinenglück ostwärts unter unseren (Höllers) Feldern her bis an das Miebachs Hüüschen. Oben beim Miebachs Häuschen türmen sich noch heute die Abfallberge, der Einsteigeschacht steht heute unter Wasser. Der Betrieb war in meiner Kindheit schon stillgelegt.“ (2)

 

Ein Teil der Höllerschen Felder musste für das Neubaugebiet der Gerhard-Hauptmann-Siedlung in Miebach in den Jahren 1950 abgegeben werden. Hier ereignete sich „2002“ der Stolleneinbruch unter einem der Siedlungshäuser.

 

Kunibert Förster hat in den Kürtener Schriften darüber berichtet und die Geschichte des Abfuhrstollens geschildert „dessen Luftschächte (mindestens 5) anscheinend nicht dauerhaft verschlossen wurden und immer wieder einbrachen. Beim letzten Einbruch im Jahre 2002 kam es zu Schäden an einem Wohnhaus in der nach dem zweiten Weltkrieg errichteten Siedlung Miebach. Das führte dazu, dass das Bergamt in Düren in einer wochenlangen Aktion die Hohlräume im Bereich der Wohnsiedlung mit einer Leichtbetonmasse verfüllte, um zukünftige Bergschäden zu verhindern. (5)

 

Die älteren Bewohner kannten den Stollen und hatten ihn auf ihre Weise genutzt.

Der in Steeg gebürtige und dort auf einem Bauernhof aufgewachsene Prof. Helmut Lieth berichtete, dass sein Vater und andere Bauern später die Eisenschienen aus dem Stollen herausholten und für andere Zwecke benutzten (z. B. als Transportschienen für das Viehfutter in den Ställen oder als Träger bei Bauten)“. (K. Förster)

 

Was ist Brauneisenstein?

 

In ihrem Artikel Ein Gebirgsbach verschwindet in Miebach bei Kürten“ schreiben die Geologen Ulrich Jux und Hans Dieter Hilden, „Es ist nur wenigen bekannt, daß im Verbreitungsgebiet der devonischen Kalksteine zwischen Bergisch Gladbach und Kürten Eisenerzbergbau betrieben wurde. Zwei größere Betriebe waren die Gruben Luther bei Spitze und Catharinenglück bei Miebach. Gefördert wurden oxidische Eisenerze - sogen. Brauneisensteine, die sich in trichterartigen Vertiefungen der Kalksteinoberfläche während der Tertiärzeit (vor ca 30 Mio. Jahren) unter subtropischen Klimabedingungen auf dem Festland gebildet haben. (meist sehr begrenzte und bald ausgebeutete Vorkommen). Während auf Luther die Lagerstätte ausgeerzt wurde, ist das auf Catharinaglück nicht der Fall." (6)


 

Quellen:

  1. Herbert Stahl, Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes. Band 3: Die Gruben in der Paffrather Kalkmulde. Bergischer Geschichtsverein Abt. Rhein-Berg, Bergisch Gladbach 2006.

  2. Peter Höller, Jugenderinnerungen aus dem alten Kürten-Miebach vor 1933 (unveröffentlicht)

  3. Heinrich Pohl, St. Nikolaus Dürscheid 1966

  4. Vom alten Bergbau um Dürscheid - Erinnerungen eines alten Dürscheider aus: Heimat zwischen Sülz und Dhünn (2) S. 48 -49

(Text stammt von unbek. Autor aus Jahr 1941)

  1. Kunibert Förster, Ein Stollen meldet sich zurück, in: Kürtener Schriften 5, 2005.

  2. Ulrich Jux, Hans Dieter Hilden, Ein Gebirgsbach verschwindet in Miebach bei Kürten, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 1990.

  3. Web-Seiten zu Katharinaglück und Grube Luther

  4. Ergänzungen im Text von Kunibert Förster (kursiv)

 

Die angegebene Literatur befindet sich im Ortsarchiv des Geschichtsvereins der Gemeinde Kürten und Umgebung

Rezente Fotos von der Grube und dem Zechenhaus Katharinaglück aus den Jahren 2016 – 2021 von Ute Jülich


 

Artikel verfasst von Ute Jülich, Dezember 2021

(Geschichtsverein Kürten)

 

Teich in der Grube Katharinaglück Aufnahmen 2016
Eiche über dem Einstiegloch (unter Wasser) Aufnahme 2021
Blick auf die beiden Abraumhalden von Westen
Reste von Abraum auf dem Gartengelände Lenzholzer Str 39
Zechenhaus Katharinaglück im 19. Jahrhundert
Zechenhaus Katharinaglück Aufnahme 2016
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