Kirche St. Johann Baptist  Kürten

Fassung vom 18.02.2021

 

An der alten, von Köln ins Bergische führenden Gebirgslandstraße gelegen, war das Gotteshaus für eine weite spärlich besiedelte Umgegend Taufkirche und Sammelpunkt der ersten Gläubigen“. Von ihr ist als ältester Zeuge heute nur noch der Turm erhalten.

Der wehrhafte Turm aus behauenen Bruchsteinen steht mittelalterlicher Vorstellung folgend, zum Schutz im Westen, der das Böse und Dämonische symbolisierte, während sich der Chorraum mit Altar zur Feier der Eucharistie im symbolisch hellen und guten Osten (aufgehende Sonne) befindet. Die Turmhaube ist mit zwei christlichen Symbolen verziert: dem Kreuz und dem Hahn als Symbol der Wachsamkeit in Erinnerung an die dreifache Verleugnung Jesu durch Petrus“. (Informationsblatt St. Johannes Baptist 2020)

 

Nicht sehr viel jünger ist das aufwändig und kunstvoll gestaltete Taufbecken aus Namurer Blaustein (Belgien) in streng romanischen Formen. Am oberen Rand befindet sich ein Fries aus Fabelwesen und vier menschlichen Köpfen mit übergroßen blicklosen Augen. Inhalt und Darstellung sind gleichermaßen archaisch. Nach den Vorstellungen jener Zeit, die noch stark von heidnischer Überlieferung mitbestimmt wurde, meinte man die bösen Mächte durch Einbindung in den Gottesdienst zu bannen. 


Die Alte Kirche

 

Das Patrozinium der Kirche, St. Johannes Baptist, weist darauf hin, daß sie in der Frühzeit der Christianisierung des Bergischen Landes gegründet sein kann, denn die dem hl. Johannes dem Täufer geweihten Gotteshäuser gelten als alte Taufkirchen.

Greifbar wird die alte romanische Kirche aus dem 12./13. Jahrhundert, deren Turm noch heute steht. Die alte Kirche hatte etwa zwei Drittel der Größe der heutigen. Das Schiff schloß sich in Form eines Rechteckes nach Osten an den Turm an. Türen befanden sich an den beiden Längsseiten und im Turm. Die Decke war gewölbt, ohne Malerei, durch Säulen getragen, der Fußboden mit rohen Steinplatten belegt. Kleine Glasfenster, ebenfalls ohne Malerei, spendeten dem Raum Licht. Bänke waren genügend vorhanden. An Bildern und Heiligenfiguren besaß die Kirche nur einige unbedeutende Stücke. Über dem Chor hing in einem Türmchen eine große Schelle, die den Beginn des Gottesdienstes ankündigte. Eine Sakristei war nicht vorhanden. Der Priester legte hinter dem Altar die Gewänder an. Eine starke eichene, mit drei Schlössern versehene Kiste diente als Kirchenarchiv, eine weitere als „Armenstock“. 

 

 

 

 

 

 

Alte romanische Kirche

Skizziert 1774

 

1716 werden drei Altäre erwähnt. Der Hauptaltar war Johannes dem Täufer, der rechte Seitenaltar dem hl. Antonius und der linke der Gottesmutter geweiht. Im Schiff der Kirche waren zwei Beichtstühle aufgestellt, ein dritter befand sich hinter dem Hauptaltar. Auf der oberen der beiden Emporen stand eine Orgel.

Einen Hilferuf für eine gründliche Reparatur der Kirche richtete Pastor Pool 1774 an den Herzog in Düsseldorf. „Der ganze Kirchenbau und die erforderlichen Utensilien für die gottesdienstliche Feier befinden sich in einem so mißlichen Zustand, wie wohl in keiner anderen Pfarre des ganzen Landes. Der alte Turm droht täglich einzustürzen, Chor, Schiff und Anbauten sind so, daß der Gottesdienst nicht ohne größte Gefahr, im Schutt begraben zu werden, abgehalten werden kann“.

 

Fast siebzig Jahre später wurde 1843 dann der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Das Kirchenschiff war ein schlichter Saalbau in klassizistischem Stil, der sich an den alten Turm anlehnte. Pastor Tuchscherer erhielt 1844 ein Anerkennung vom Erzbischof „daß die Gemeinde eine große und schöne neue Kirche auf eigene Kosten ohne jede anderweitige Unterstützung gebaut habe“. 1852 kam noch eine Orgel vom Orgelbauer Smarek aus Köln hinzu.

1856 werden „für die würdige Ausstattung der Kirche“ der „St. Johannes und der St. Apollonia Verein“ ins Leben gerufen.

 

Durch den Bombenangriff 1945 wurden das Langhaus und der Turm schwer beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte gleich nach Kriegsende unter Leitung des Kölner Architekten Karl Pütz. 1950 war die Kirche im romanischen Stil wiederhergestellt und bekam die heutige Innenansicht. Auf Grund der vielen Zuzüge in den Neubaugebieten wurde 1967 nach den Plänen von Architekt Rotterdam ein Seitenschiff mit einer Sakristei in nördlicher Richtung an den Kirchenraum angebaut, wodurch sie die Form einer Winkel-Kirche erhielt. Der Altar im Chorraum wurde durch den Kölner Bildhauer Sepp Hürtgen aus Aachener Blaustein gefertigt. An den Wänden befinden sich seit 1975 kleine in die Wand eingelassene Kreuzwegstationen aus Keramik von Arnold Morkramer mit einer 15. Station, die die Auferstehung darstellt.

Im ersten Weltkrieg mussten die große und die zwei kleineren Glocken abgegeben werden. Die Ersatzglocken von 1933 St. Apollonia und St. Agatha wurden dann im 2. Weltkrieg beschlagnahmt. 1962 wurden sie durch vier neue Glocken ersetzt, die auf das Lied „nun danket all`und bringet Ehr“ gestimmt sind. Gotteslob Nr. 403

 

Neue klassizistische Kirche von 1843 - Foto aufgenommen nach 1930
Innenausstattung der Kirche bis 1945

 

Vor der Kirche stand das Kriegerdenkmal von 1929, das 1950 abgebrochen wurde.

Nachdem der Engel auf dem Podest zeitweise verschwunden war, steht er jetzt wieder zwischen den alten Grabsteinen vor der Kirche (Kürtener Schriften 2020).

 

Foto vom Turm und Kirchenschiff nach dem Bombenangriff vom 14. März 1945.

Die Häuser Bergstr. 27 – 29 und der Hof Molitor wurden ebenfalls schwer beschädigt.

 

 

Der alte Kirchhof

 

Bis ins 19. Jahrhunderts wurde die Kirche von einem Friedhof begrenzt, der von einer Mauer umschlossen war, mit etwa 200 Grabsteinen, einem Beinhaus und einem Sakramentshäuschen. Heute befinden sich noch gut erhaltene Grabsteine aus dem 17. Und 18. Jahrhundert auf dem südlichen Teil des Kirchengeländes. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts durften keine neuen Beerdigungen auf dem Kirchhof oder gar in der Kirche mehr stattfinden. Die neuen Friedhöfe mussten per Gesetz außerhalb oder am Rande des Ortes liegen. 1843 kaufte die Zivilgemeinde der Kirche den Küstergarten ab und legte dort einen neuen Friedhof an. 

 

 

Die Kirche und die alten Grabsteine des alten Kirchhofs stehen seit 1984 unter Denkmalschutz und sind in der Denkmalliste der Gemeinde unter Nr.: 001 (Kirche) und Nr.: 022 (alte Grabsteine) eingetragen. Bis zur Gründung des Pfarrverbandes St. Marien 2009 war Kürten eine selbständige Pfarrgemeinde.

 

 

Der Name Kürten 

 

Der Ort wird auf mittelalterlichen Urkunden als Curtine bezeichnet. Er geht auf das Wort curtis zurück, was freier Platz innerhalb eines eingefriedeten Hofes bedeutet, auf dem sich die Schöffen eines Gerichtes versammelten. In Kürten gab es tatsächlich schon früh ein Landgericht, das nachweislich bis 1699 tagte. Es entschied über zweifelhafte Erbfälle, sowie Diebstahl, Raub oder Körperverletzung und war die nächsthöhere Instanz zum Hofes- /Lehnsgericht, das zu einem Herrenhof gehörte und über die normalen Erbfälle in einem Hofverband entschied. (heutiges Amtsgericht und Katasteramt).

2008 hat die Gemeinde Kürten ihr 700jähriges Bestehen gefeiert. Sie bezog sich dabei auf die Erstnennung von Cürten im „Liber valoris“ - einem Steuerregister des Erzbistums Köln von 1308.

 

Quellen:

 

Panofsky-Soergel, Gerda: Die Denkmäer des Rheinlandes Band 2

„Anmerkungen für eine Kirchenführung“ W. Dietz (2008)

 

Informationsblatt St. Johannes Baptist Kürten (2020) 

 

Opladen, Peter: Das Dekanat Wipperfürth, Verlag F. Schmitt, Siegburg, 1955

Rutt, Theodor: Heimatchronik des Rheinisch-Bergischen Kreises

 

Paetzer, Gustav „Masken und Ungeheuer auf Taufsteinen“

In: Rheinisch Bergischer Kalender 1986

 

Lindlar, Gaby: „Romanische Kirchen im Bergischen Land“

In: Rheinisch Bergischer Kalender 1986

 

Berster, Karl Heinz: „Die wundersame Rettung des hl. Michael“, Kürtener Schriften, Band 12, November 2020, Herausgeber: Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung,

 

Gemeinde Kürten: Festschrift 700 Jahre Kürten (2008)

 

Stockberg, Theo „Die ehemaligen Hofes – und Lehnsgerichte in der Gemeinde Kürten

und das Landgericht zu Kürten“. In Kürtener Schriften (5) 2005

 

Kunze, Stefan : „Im Trümmerfeld stand nur noch der Turm“,

(in Kölner Stadtanzeiger vom 12.2. 2005)

 

Ries, Dr. Clemens: „Der Angriff auf Kürten – die Opfer“ Kürtener Schriften, Heft 5, November 2005, Herausgeber: Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung,

 

Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e. V.: Von Wegekreuzen, Mühlen und Dolinen,- Kulturhistorische Zeugnisse in der Gemeinde Kürten -, 2009,

 

Gemeinde Kürten: Denkmalliste der Gemeinde Kürten, Denkmal Nr.:001 und Nr.: 022,

Homepage: Pfarrverband St. Marien, Kürten.

 

 

Verfasst von Ute Jülich       

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e.V.