Maternuskapelle Bechen

Die kleine Kapelle steht im Ortsteil St. Maternus Eck, früher „Schnappe“, an der Gabelung der heutigen B 506 und des historischen, über Pohl und Neuensaal in Richtung Wipperfürth und weiter ins Oberbergische führenden Handelsweges.

 

Die erste urkundliche Erwähnung der Kapelle erfolgte 1673 im Zehntverzeichnis des Bechener Pfarrers Neu, hierin wurden die Abgaben der Einwohner an die Kirche für deren besondere Dienste, so z. B. „die Prozession zur Kapelle in Schnappe“, aufgelistet. In der Beschreibung von Jagdrechten vom 17. Febr. 1653 taucht der „Schlagbaum“ in Schnappe als Landmarke auf, die Kapelle hingegen noch nicht. Nach Überwindung des 30-jährigen Krieges, den Seuchen, (Pfarrer Heußgen starb 1631 an der Pest) und den Notzeiten noch weit darüber hinaus, (1666 und 67 grassierte die „rote Ruhr“ mit vielen Toten), ist daher anzunehmen, dass die Überlebenden die Kapelle vermutlich unmittelbar danach erbauten.

 

Gewidmet wurde die Kapelle dem Hl. Maternus, Schutzpatron zur Abwendung von Seuchen und allerlei Krankheiten bei Menschen und auch bei Vieh. Er ist der erste nachweisbare Bischof von Köln (285 – 328), er vertrat die Sache der Deutschen bei den Konzilen in Rom und Arles. An seinem Namenstag, (Bistum Köln 11. September), und zu besonderen Anlässen finden heute noch Gottesdienste in der Kapelle statt.

Die Kapelle ist aus Bruchsteinen erbaut, die egalisierend geschlämmt wurden. Sie trägt ein vorkragendes Satteldach und einen Dachreiter. Die kleine Glocke wurde 1917 für Rüstungszwecke abgeliefert, eine neue Glocke wurde 1929 gegossen und ist der Einschmelzung für den 2. Weltkrieg entgangen.

 

Zur Vermeidung von Krankheiten ist sauberes Trinkwasser unabdingbar. Direkt rechts neben der Kapelle ist ein 8 m tiefer Brunnen, ehemals geschützt mit Brunnenhaus, Türe und kegligem Dach. Das Wasser ist so sauber, dass ihm der Volksmund heilende Wirkung nachsagte. Der Grund, hier einen öffentlich zugänglichen Brunnen zu bauen, ist historisch begründet, denn direkt gegenüber der Kapelle befand sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Gasthaus mit Pferdewechselstation. Die Fuhrleute der Frachtwagen auf der Handelsroute Köln – Wipperfürth hielten hier Rast und schöpften das Wasser für ihre Tiere selbst, bevor sie sich im Gasthaus Speis und Trank gönnten.

Die Maternus Kapelle steht seit 2016 unter Denkmalschutz (Denkmal Nr.: 126)

 

Quellen:

Büchel, Josef (Redaktion): 800 Jahre Bechen, Festschrift 800 Jahre Bechen, 1975,

Peter Opladen: Das Dekanat Wipperfürth, Verlag F. Schmitt, Siegburg, 1955

Weber, Bernd und Stahlke Rainer, Dr.: Die Maternus-Kapelle in Schnappe, Kürtener Schriften, Heft 8, November 2011, Herausgeber: Geschichtsverein der Gemeinde Kürten und Umgebung, e. V.,

Weber, Bernd: St. Maternus - Kapelle in neuem Glanz, Kürtener Schriften, Band12, November 2020, Herausgeber: Geschichtsverein der Gemeinde Kürten und Umgebung, e. V.,

Bechener Eselspfad, IG Bechen, 2010,

Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung e. V.: Von Wegekreuzen, Mühlen und Dolinen,- Kulturhistorische Zeugnisse in der Gemeinde Kürten -, 2009,

Gemeinde Kürten: Denkmalliste der Gemeinde Kürten, Denkmal Nr.: 126

 

 

Verfasser: Bernd Weber, Norbert Stannek, Dr., Rainer Stahlke, Dr.

 

Fassung: 2021.02.15  

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